Die Integrationskraft des Fussballs und das Engagement des FCL

Vom 15. bis zum 23. Oktober 2016 machen Schweizer Profi-Fussballclubs die Integrationskraft des Fussballs zum Thema. 

Das Engagement steht im Zusammenhang mit der Kampagne «Together2016», welche die Liga und Profi-Clubs gemeinsam mit der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH, dem Staatssekretariat für Migration und dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge durchführen. Die Profi-Clubs organisieren Aktivitäten für Menschen wie anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene und unterstützen so aktiv deren Integration. Die Themenwoche steht im Zusammenhang mit der Kampagne «Together2016», welche die Liga und ihre Clubs mit der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH, dem Staatssekretariat für Migration SEM und dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR durchführen. Eine besondere Leistung diesbezüglich bringt der FC Thun in der RSL. Die Oberländer bieten jede Woche Trainings für Flüchtlinge an. Oder der SC Kriens, der sich ebenfalls in diesem Bereich engagiert und wertvolle Integrationshilfe leistet.  

Integration von allen 

Der FC Luzern hat sich vor allem die Integration von handicapierten Menschen auf seine Fahne geschrieben. Diese nachhaltigen Engagements bestehen aus einer Vielzahl von Aktivitäten. Insbesondere mit der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) hat sich in den letzten Jahren eine gelebte Partnerschaft entwickelt. Viele der Bewohner sind treue Fans des FCL und drücken ihrer Mannschaft von den Rollstuhlplätzen bis hoch auf die Ränge hinauf die Daumen. Ein- bis zweimal im Jahr kehren die Leuchten den Spiess um und statten der SSBL in Rathausen einen Besuch ab. Die gemeinsamen Weihnachtsfeiern sind mittlerweile legendär. „Auf diesen Termin freue ich mich jedes Jahr“, erklärt Claudio Lustenberger. Der FCL-Captain steht mit den Bewohnern aber auch sonst im Kontakt. „Entweder sehen wir uns an den Spielen oder wir tauschen E-Mails untereinander aus.“ Seit längerem arbeitet der FC Luzern mit der Stiftung Brändi zusammen – und ist dabei vollends zufrieden. „Für unsere Bewohner, darunter viele begeisterungsfähige FCL-Anhänger, sind diese Aufträge ein Highlight: „Die Freude, für den FCL arbeiten zu können, ist jeweils grenzenlos“, erklärt Roger Aeschlimann von der Stiftung Brändi. Und seit die Angestellten der erfolgreichen Non-Profit Organisation von der Einladung des FCL ans Heimspiel gegen St. Gallen erfahren haben, gibt es in den Werkstätten und Wohnräumen nur noch ein Thema: Blau und Weiss.   

Auch eingeladen ist der Blinden-Fürsorge-Verein Innerschweiz, der nicht unweit von der swissporarena domiziliert ist. Diese Zusammenarbeit besteht nun schon seit sechs Jahren und ist vor allem durch das FCL.Radio hörbar, das versucht, alle FCL-Wettbewerbsspiele audiodeskriptiv zu übertragen. Gestartet wurde dieses spannende Projekt mit dem Bezug der swissporarena, die den Anforderungen der Norm SIA 500 (Hindernisfreies Bauen) entspricht. Sporadisch werden mit dem Blindenheim Horw auch Führungen angeboten. Bei der letzten Begehung, an der die Teilnehmenden die Objekte vor allem mit den Händen ertasteten, stiess ungeplant der Mundartrocker Gölä hinzu. Dieser wunderte sich über die eigenartig anmutende Szenerie und fragte ungeniert, was hier vonstattengehe. „Wir machen eine Stadionführung", erklärten die Blinden dem Sängerbarden, worauf dieser entgegnete: "Aber ehr gsähnd jo gar nüd!" Diese quittierten Göläs Aussage mit einem schallenden Lachen. Diese Anekdote verdeutlicht auch, wie wenig es benötigt, um die virtuelle Mauer zwischen handicapierten und nicht behinderten Menschen einzureissen und wie wichtig es ist, dass man ganz normal miteinander umgeht. 

Integration geschieht im Fussball auch im Alltag

Die Integration von Menschen mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und gelingt nur über persönliche Begegnungen und durch die Einbindung in soziale Strukturen. Der Fussball bietet dazu nicht nur durch seinen sportlichen Wettbewerb, sondern auch im Vereinsalltag mannigfache Gelegenheiten: Er bringt Menschen zusammen – Spieler und Fans –, fördert, fordert und unterstützt. Der Profi-Fussball dient dem Breitensport dabei als positives Beispiel und bietet bekannte Identifikationsfiguren. Alleine beim FC Luzern betreiben gegen 300 Junioren/Innen aus 26 Ländern Spitzenfussball. „Integration wird bei uns jeden Tag gelebt", erklärt Michel Renggli, der für die U15 und die Talente beim FCL verantwortlich ist. 

Die SFL und ihre Profi-Clubs wollen mit ihrem Engagement die Schweizer Fussballlandschaft darin bestärken, weiterhin in die Integrationsarbeit zu investieren und diese tägliche Integrationsleistung anzuerkennen und zum Thema zu machen. Denn der Fussball stiftet über das Spielgeschehen hinaus einen gesellschaftlichen Nutzen, und die Liga sowie ihre Clubs nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst.

Vielfalt als Stärke nutzen

In der Saison 2015/16 besassen 222 der 597 Spieler in den beiden Schweizer Profi-Ligen keinen Schweizer Pass, sie stammten aus 52 verschiedenen Ländern dieser Welt. Zudem ist die Schweizer Nationalmannschaft wohl die kosmopolitischste Auswahl überhaupt. «Im Fussball sieht man auf den ersten Blick, dass Vielfalt eine Stärke ist», sagt Claudius Schäfer, CEO der SFL. «In Fussballteams ist Integration im Alltag eine Selbstverständlichkeit. Wo es Probleme gibt, muss das Team pragmatisch eine Lösung suchen, um weiterhin erfolgreich spielen zu können.»

Der Fussball als Integrationsförderer 

Die Swiss Football League (SFL) trägt pro Saison in der Raiffeisen Super League (RSL) und der Brack.ch Challenge League (BCL) 360 Spiele aus, die von weit über 2 Millionen Fans im Stadion verfolgt werden. In der RSL beträgt der Durchschnitt pro Spiel knapp 11'000 Fans, in der BCL rund 2'000. Die Profi-Spieler der SFL sind Identifikationsfiguren für Jung und Alt. Der Spitzensport motiviert zum Mitwirken und gibt dem Jugend- und Breitensport Impulse. Zudem werden auch Werte wie Solidarität, Fairness und Respekt vermittelt sowie das Selbstwertgefühl und der Zusammenhalt gestärkt. Der Profifussball setzt Impulse über die Stadiongrenzen hinaus: Ein attraktives und erfolgreiches Fussballspiel braucht eine, respektive zwei geschickt zusammengesetzte Mannschaft. Die Vielfalt prägt die Stärke einer Mannschaft massgeblich mit. Ausgrenzung schwächt eine Mannschaft. Interkulturelle und zwischenmenschliche Konflikte werden offen angegangen. Ein Spiel zu gewinnen, ist ein Leistungsausweis für die gesamte Mannschaft. Positive Erfahrungen als Team und die Herausforderungen, mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen umzugehen, unterscheiden sich bei Profis und Amateuren nicht wesentlich. Der Fussball spiegelt die Vielfalt und Diversität der Gesellschaft und engagiert sich über die Stadiongrenzen hinaus. Der Fussball ist gesellschafts- und integrationspolitisch ein wichtiger Akteur. In der Schweiz hat der Fussball beispielsweise die gesellschaftliche Integration von Migrantengruppen vorweggenommen: In den 1950er und 1960er Jahren waren es die Italiener und Spanier, später die Geflüchteten aus den Balkanstaaten und aus afrikanischen Ländern. Integration wird in den Klubs oft gar nicht als zusätzliches Engagement wahrgenommen, weil sie bereits als Selbstverständlichkeit im Alltag gelebt wird. Die Integrationskraft des Fussballs ist eine Frage der Haltung. Dort, wo Konflikte entstehen, wird im Sinne des Teamgedankens und der Erfolgsorientierung nach Lösungen gesucht. 

Breitenfussball 

Der Schweizerische Fussballverband (SFV) hat rund 1450 Mitgliedervereine und ist mit rund 300'000 aktiven Spielern der grösste Sportverband der Schweiz. Menschen unterschiedlicher sozialer, kultureller und ethnischer Herkunft lernen, als Mannschaften zu funktionieren.

Weitere spannende Zahlen belegen die Integrationskraft des Fussballs auf eindrückliche Weise:

  • In der Saison 2015/16 besassen 222 der 597 Profis keinen Schweizer Pass.
  • Insgesamt sind Spieler aus 52 verschiedenen Ländern in der RSL und BCL aktiv.
  • In der Schweiz spielen aktive Spielerinnen und Spieler aus 191 Ländern Fussball.
  • Von den 1450 Mitgliedervereinen hat die Hälfte mindestens 40% Mitglieder mit Migrationshintergrund.
  • 50‘000 ehrenamtliche Helfer untermauern die gesellschaftliche Bedeutung. Sie sind es, die wichtige Integrationsarbeit vor Ort leisten.
  • Die Schweizer Nationalmannschaft ist die kosmopolitischste der Welt. Im 23-Mann-Kader für die EURO 2016 hatten 14 Spieler ausländische Wurzeln.